Verfasst von Tamar am 7. November 2009
Morgen, meine liebe Sophie, gibt’s eine Überraschung für dich. Nein, keine neue Rührschüssel, zumindest keine für dich ganz alleine. Etwas viel besseres: Eine kleine Schwester. Ach, rümpf jetzt bitte nicht die Nase, Sophie. Kleine Schwestern sind wunderbar. Nicht, dass ich eine hätte. Aber immerhin bin ich selber eine, eine sechsfache. Und du willst doch nicht etwa behaupten wollen, ich sei nicht wunderbar, oder Sophie? Und falls dir dieser Grund nicht ausreicht, um dich zu freuen, dann frag mal Luise, ob man sich etwas auf dieser Welt sehnlicher wünschen kann, als eine kleine Schwester.
Morgen also wirst du sie bekommen, liebe Sophie. Ich habe sie eigens für dich aufgestöbert in den unendlichen Weiten des Internets, das letzte verkäufliche Exemplar deiner Art, nur wenig gebraucht und unglaublich sympathisch. Deine kleine Schwester sieht fast genau gleich aus wie du, nur etwas jünger, etwas weniger abgekämpft. Aber das haben kleine Schwestern eben so an sich. Dafür haben sie nicht so viel Lebenserfahrung. Natürlich kann sie auch ein paar Dinge, die du nicht kannst, aber das ist kein Grund, eifersüchtig zu werden. Ich bin mir sicher, dass du auch noch ein paar Tricks auf Lager hast, mit denen du die Kleine beeindrucken kannst. Und das mit der Schüssel die ihr euch teilen müsst, werdet ihr schon miteinander aushandeln können.
Somit ist also alles wieder perfekt. Sophie die Zweite braucht nur noch einen neuen Namen und dann legen wir los mit der Weihnachtsbäckerei.

Veröffentlicht in Familie, Familienglück | Verschlagwortet mit : Familie, Hausfrau, Kinder | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 7. November 2009
„Das Atomkraftwerk Beznau I wird 40. Ein Grund zum Feiern“, lese ich heute auf der Frontseite der Tageszeitung. Was, bitte schön, gibt es hier zu feiern? Etwa, dass wir noch immer nicht weiter sind? Oder dass die Schweiz es verschlafen hat, die erneuerbaren Energien zu fördern? Oder vielleicht sogar, dass man sich hierzulande nichts sehnlicher wünscht, als neue AKWs bauen zu dürfen? Einen Grund zum Feiern sehe ich hier weit und breit nicht, Gründe zum Heulen hingegen, so weit das Auge reicht.

Veröffentlicht in Gesellschaft | Verschlagwortet mit : AKW, Gesellschaft, Politik | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 6. November 2009
Gar nicht so einfach, einen Sitzungstermin mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten zu vereinbaren. Zwischen Mittagessenhinunterschlingen, Pingu-Kassette hören und Spielnachmittag mit dem Nachbarsmädchen, dem man schon vor Jahren versprochen hat, es eines Tages zu heiraten, bleibt nicht gerade viel Zeit für Mama. Aber nachdem die Kindergärtnerin heute angerufen hatte, gab es da noch Einiges zu klären. Zum Beispiel, weshalb er seine Finken – für deutsche Leser: Finken sind Hausschuhe, nicht Vögel, – herumgeschmissen hat. Die weiteren „Vergehen“ bleiben ein Familiengeheimnis. Nur soviel: Überrascht hat mich nichts. So ist er eben, mein FeuerwehrRitterRömerPirat. Und schlimm war es auch nicht, was die Kindergärtnerin da erzählt hat, aber doch wichtig genug, dass ich einen Gesprächstermin mit meinem Dritten ausmachen musste.
Nach dem Mittagessen schenkte er mir gnädigerweise zehn Minuten seiner wertvollen Zeit, wies mich aber jedes Mal, wenn ich Luft holte, darauf hin, dass er jetzt eigentlich viel lieber Pingu hören möchte. Was bedeutet, dass es noch langweiliger ist, mit mir zu reden, als Pingu beim Quasseln zuzuhören. Quä quä! Das Gespräch war dennoch äusserst fruchtbar. So weiss ich jetzt zum Beispiel, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat seine Finken nur herumgeschmissen hat, weil er herausfinden wollte, ob sie fliegen können wie Helikopter. Also keine böse Absicht, nur unstillbarer Forscherdrang, physikalische Früherziehung sozusagen. Deswegen muss man doch nicht gleich die Mama anrufen, liebe Kindergärtnerin! Aber die Wissenschaft hat es eben schwer hierzulande. Ich weiss jetzt auch, dass alle anderen Kinder im Kindergarten die Regeln brechen und dass es dem FeuerwehrRitterRömerPirat fast das Herz bricht, dies mit ansehen zu müssen. Und furchtbar laut sind die anderen Kinder und sie stören meinen FeuerwehrRitterRömerPiraten beim Nachdenken. Ja, das Leben eines Musterknaben, der umgeben ist von lauter ungehobelten Rabauken, ist nicht einfach.
Da frage ich mich doch, wie mein Sohn mit seinem Alter Ego klarkommt, mit dem säbelschwingenden, herumbrüllenden, sich um sämtliche Regeln foutierenden FeuerwehrRitterRömerPiraten, den er jeweils hervorkehrt, kaum hat er die Schwelle zu seinem Zuhause überschritten. Wie schafft er es nur, tagein tagaus mit einem Jungen im selben Körper zu stecken, der seine Müesliriegel auf dem Sofa isst anstatt, wie befohlen, in der Küche? Der erst dann das Zimmer aufräumt, wenn man ihm droht, sämtliche Spielsachen in den Keller zu verbannen? Der unverschämt grinst, wenn die Mama ihm eine Standpauke hält? Leider hatte der FeuerwehrRitterRömerPirat keine Zeit mehr, mir diese Fragen zu beantworten. Pingu wartete und die Freundin auch. Ich werde ihn um eine weitere Audienz ersuchen müssen.

Veröffentlicht in Familie | Verschlagwortet mit : Erziehung, Familie, Kinder, Mutter, Schule | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 5. November 2009
Ach, wie schön! Wir dürfen uns mal wieder anhören, was Frau Klum zur Mutterschaft zu sagen hat, oder genauer gesagt dazu, wie man als Mutter so bald als möglich nach einer Geburt wieder durch die Gegend klappern kann. Diesmal will Frau Klum bereits mehr als zwanzig Kilos verloren haben, was gar nicht so einfach sei. Doch mit dem Stress einer Grossfamilie und einem Laufband im Haus schaffe man das, will sie uns weis machen.
Liebe Frau Klum, ich glaube Ihnen kein Wort. Zu lange schon stille ich meinen Hunger mit da einem Bissen aus dem Teller eines meiner Kinder, dort einem angebissenen Brötchen, das vergessen wurde. Zu lange schon überwinde ich meine unglaubliche Müdigkeit mit starkem Kaffee und einem Stück Schokolade. Zu oft habe ich mir vorgenommen, ab jetzt täglich dreissig Minuten Sport zu treiben, doch nach dem alltäglichen Herumrennen schaffe ich es nur noch, meine müden Knochen vor den Computer zu schleppen, um ein wenig zu schreiben. Meine zehn Kilo Übergewicht werde ich trotz meines erfüllten Lebens nur sehr zaghaft los. Wäre es wahr, was Frau Klum sagt, ich bestünde nur noch aus Haut und Knochen.
Also Frau Klum, hören Sie endlich damit auf, zu behaupten, es sei alles ganz eifach. Hören Sie auf, jungen Müttern das Leben schwer zu machen mit Ihrem kranken Schönheitsideal. Sehen Sie endlich ein, dass nur die privilegiertesten Mütter es sich leisten können, sich wenige Wochen nach der Geburt schon wieder nur um sich selber zu drehen. Und dann hören Sie endlich auf, ihre privilegierte Situation zum Mass aller Dinge zu machen.
Und überhaupt: Was ist so schlimm daran, wenn man einer Frau ansieht, dass sie ein paar Schwangerschaften hinter sich hat, dass sie wunderbaren Geschöpfen das Leben Geschenkt hat? Immerhin hätte Peter Paul Rubens seine wahre Freude daran, Frau Klum hingegen würde er links liegen lassen. Und Rubens Frauen hängen immerhin heute noch in den Museen, während Heidi Klums Klone morgen schon vergessen sein werden.

Veröffentlicht in Familie, Familienglück, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Baby, Familie, Heidi Klum, Mutter, Schlankheitswahn | 6 Kommentare »
Verfasst von Tamar am 5. November 2009
„Leider gibt es zur VarioTronic profi überhaupt keine Ersatzteile mehr, nicht einmal mehr die Rührschüssel“, muss ich heute Morgen beim Abrufen meiner Mails lesen. Die „VarioTronic profi“, das wäre dann die Sophie. Und die soll jetzt keine neue Rührschüssel mehr bekommen! Warum stellen die Küchengeräte für die Ewigkeit her und haben dann keine Ersatzteile an Lager? Und wie soll ich das bloss Sophie beibringen? Ich sehe ihr doch an, dass sie arbeiten möchte, Teig kneten, Rahm schlagen, dafür sorgen, dass Vendittis schön rund bleiben. Ich weiss doch, dass sie sich so drauf gefreut hat, auszuprobieren, ob man Luxemburgerli auch in der heimischen Küche herstellen kann. Und jetzt soll nichts daraus werden. Ein trauriger Tag also. Aber ich gebe erst auf, wenn ich das ganze Internet nach einer neuen Rührschüssel abgeklappert habe, wenn ich wirklich sicher bin, dass sich die Schüssel nicht reparieren lässt. Sophie muss bleiben!

Veröffentlicht in Familie, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Essen, Familie, Hausfrau | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 4. November 2009
Man sollte doch meinen, eine Küchenmaschine wäre froh darüber, dass sie gebraucht wird. So ein Gerät will doch auch nicht einfach in der Ecke rumstehen. Aber nein, die faulen Dinger machen schlapp, sobald sie mal etwas mehr Teig kneten müssen, als ihnen lieb ist. Ich weiss nicht, wie viele Küchenmaschinen in meiner Küche die Arbeit aufgenommen haben und nach kurzer Zeit wieder weg waren, weil sie den Anforderungen im Hause Venditti nicht gewachsen waren. Memmen waren das, allesamt.
Mit Sophie wird sicher alles anders, dachte ich, als sie eines Tages bei uns einzog. Denn Sophie ist nicht irgend eine dahergelaufene Küchenmaschine, Sophie hat mehr als ein Jahrzehnt lang einen tadellosen Dienst bei Linders verrichtet. Wer schon bei Linders gespiesen hat, weiss, dass Sophie dort keine ruhige Kugel schieben konnte und deswegen traute ich ihr die harte Arbeit in meiner Küche zu. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Sophie ist die erste Küchenmaschine, die nicht zusammenzuckt, wenn ich mit meinen Teigzutaten anmarschiert komme. Die Erste, die klaglos knetet, ohne zu stinken, ohne heiss zu laufen, ohne irgendwann entnervt den Geist aufzugeben. Eine wahre Perle, diese Sophie.
Aber Sophie ist eine Frau und Frauen müssen bekanntlich zuweilen ein wenig gehätschelt werden, damit sie ihren Dienst weiter tun. Die einen brauchen ein Wellness-Weekend, um wieder neue Kräfte zu schöpfen, andere lassen sich mit einem ausgiebigen Shopping-Trip neu motivieren, wieder andere sind im siebten Himmel, wenn sie einen Abend lang ungestört lesen dürfen. Sophie, so haben wir feststellen müssen, braucht eine neue Teigschüssel, sonst macht sie nicht mehr mit. Klar wäre die alte noch gut genug, aber nicht für eine Perle, wie Sophie eine ist. Und deshalb hat Sophie einfach eines Tages ihre Schüssel in alle Einzelteile zerfallen lassen, als ich den Teighaken, ganz sachte und mit viel Fingerspitzengefühl, entfernte. Hat sich einfach so gehen lassen, ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: „Ich bin bereit, für euch zu arbeiten, aber nur, wenn ich eine neue Rührschüssel bekomme.“ Und seither befindet sich Sophie im Streik, denn ohne Rührschüssel nützen alle anderen herausragenden Fähigkeiten nichts. Wenn sie nicht sofort eine neue Schüssel bekommt, macht sie keinen Wank mehr, auch wenn ihr Motor noch längst stark genug wäre.
Hoffentlich hat der Hersteller noch irgendwo eine verstaubte Sophie-Schüssel auf Lager. Denn Sophie ist die erste Küchenmaschine, die ich erst dann ziehen lasse, wenn wirklich Hopfen und Malz verloren sind.

Veröffentlicht in Familie, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Essen, Familie, Hausfrau | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 4. November 2009
Wer, wie ich, die gesammelten Werke von Adrian Plass im Schlaf rezitieren kann, kennt die Situation: Adrian ist ein unbescholtenes Kleingruppenmitglied, das sich auf dem Sofa fläzen kann, gelangweilt vor sich hinstarren darf und dumme Fragen stellt. Eine Woche später ist er zum Leiter der Gruppe geworden und aus ihm unerklärlichen Gründen haben sich sämtliche Mitglieder in unausstehliche, äusserst schwierige, unzuverlässige und dickköpfige Zeitgenossen verwandelt.
Mir ist das Gleiche passiert, in umgekehrter Richtung. Was habe ich mich aufgeregt, damals, vor zwei Jahren, als ich noch Leiterin war im Muki-Turnen! Können die denn nicht pünktlich sein? Ihre Kleider in der Garderobe ablegen und nicht vor der Eingangstür? Müssen die mich ausgerechnet jetzt, wo ich mich gedanklich auf die Stunde vorbereite, mit ihren Fragen über das nächste Vaki-Turnen, das in drei Monaten stattfindet, beelenden? Und können die nicht mal still sein, mit ihren Kindern turnen und den Klatsch auf die nächste Kaffeerunde verschieben?
Und was bin ich heute? Eine Mama, die in letzter Sekunde in die Halle platzt, die die Stofftiere ihres Zoowärters im Weg rumliegen lässt, die unbedingt noch vor Beginn der Stunde ihre deplatzierten Fragen beantwortet haben will, die doof in der Halle rumsteht, schwätzt und nicht sieht, dass ihr Kleiner derweilen die Sprossenwand hochklettert, obschon dies nur erlaubt ist, wenn die Mama nebendran steht. Ich mache so ziemlich alles, was die Leiterinnen insgeheim verabscheuen und ich mache es nicht mal mit böser Absicht. Ich bin einfach nur so unglaublich erleichtert, dass ich nicht mehr die Leiterin bin und bemerke ob meiner Erleichterung nicht, dass ich auf dem besten Weg bin, die nervigste Mama des Jahres zu werden.
Nur Eines werde ich nie tun, ich verspreche es hier hoch und heilig: Zu früh in der Halle stehen und die Leiterin bei den Vorbereitungen stören. Dieses Verbrechen können nur Mütter begehen, die sich zu Hause langweilen und nicht warten können, bis es endlich Zeit ist, zu gehen. Soweit werde ich erst wieder sein, wenn ich pensioniert bin. Freut euch schon jetzt auf mich, ihr zukünftigen Leiterinnen des Senioren-Turnens!

Veröffentlicht in Familie | Verschlagwortet mit : Ehrenamt, Familie, Kinder, Mutter | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 3. November 2009
Bis anhin hatte ich mich eigentlich nicht für einen suchtgefährdeten Menschen gehalten. Okay, ich kann Luxemburgerli nicht widerstehen. Aber die Dinger sind so teuer, dass ich sie mir alle Schaltjahre leiste, – oder schenken lasse,- so dass keinerlei Suchtgefahr besteht. Dass ich süchtig sein könnte nach Lesen ist mir schon eher mal durch den Kopf gegangen. Wenn ich mich dabei erwischt habe, wie ich eine Gebrauchsanweisung durchgelesen habe, weil gerade kein anregenderer Lesestoff zur Hand war. Oder den Text auf der Shampooflasche. Oder die Wegleitung zur Steuererklärung.
Gestern aber ist mir klar geworden, dass auch ich ein Suchthaufen bin. In meinem Kopf schwirrten zwei Texte herum. Wunderschöne, geschliffene Sätze, Pointen, die ich nicht vergessen wollte, Worte, die so treffend waren, dass ich sie auf keinen Fall vergessen wollte. Aber ich hatte keine Zeit. Der Zoowärter wartete auf sein Frühstück, das Prinzchen hatte eine volle Windel, die Putzfrau wartete darauf, dass ich das Chaos aus dem Weg räume, damit sie ungehindert staubsaugen konnte. Keine Chance zu entkommen, sich hinter den Bildschirm zu setzen und zu tippen, was das Zeug hält. Nicht mal Zeit, mir ein paar Notizen zu machen, damit die Sätze nicht wieder verschwinden. Und so verwandelte ich mich in eine Furie mit zittrigen Fingern, rasendem Puls und starrem Blick. Ich wollte schreiben, musste schreiben und zwar jetzt gleich, sofort! Es fehlten nur noch die Schweissausbrüche, und ich hätte mich gefühlt wie ein Junkie auf Entzug. Nicht, dass ich Erfahrung hätte mit solchen Dingen…
Wenn das so weitergeht mit mir, kann das ja heiter werden. Im Moment zum Beispiel schwirren in meinem Kopf Blog-Posts durcheinander, Sätze für das Novemberschreiben, Ideen für die nächste Geschichte. Und ausserdem habe ich da noch ein Buch, dass ich unbedingt fertig lesen muss. Nichts Hochstehendes, bloss eine belanglose Chick-Lit-Schnulze in miserabler deutscher Übersetzung, die ich mir gekauft habe, um die Fahrt von Zürich nach Aarau zu verkürzen. Aber ich muss doch wissen, ob die Tussi am Ende Ed nimmt oder Josh, nicht wahr? Okay, ich geb’s zu, ich weiss, dass sie Ed nimmt. Ich habe das Ende schon gelesen. Aber ich muss doch wissen, wie es dazu kommt.
Während ich mich in einem Rausch von Lesen und Schreiben befinde, dämmt „Meiner“ das Chaos in Haushalt, Terminkalender und Wäschekorb ein, so gut es geht. Mit solchen Trivialitäten kann ich mich momentan einfach nicht herumschlagen…

Veröffentlicht in Familie, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Familie, Hausfrau, Mutter, Novemberschreiben, Schreiben | Kommentar schreiben »
Verfasst von Tamar am 3. November 2009
Heute ist es mal wieder so, dass ich die ganze Zeit dem Tag hintendrein renne und ihn nicht erwische. Immer, wenn ich glaube, ich hätte ihn, kommt etwas dazwischen und weg ist er wieder. Hätte Karlsson mich nicht um Viertel nach sieben geweckt, ich würde wohl jetzt noch in den Federn liegen. Und so geht es weiter. Luise kommt beinahe zu spät zur Schule, weil ich ihr das Haar zu spät kämme, der FeuerwehrRitterRömerPirat kommt beinahe zu spät in den Kindergarten, weil ich ihm keinen Znüni bereitgelegt habe, der Zoowärter kommt, nicht nur beinahe, zu spät in die Spielgruppe, weil ich unbedingt noch eine Seite zu Ende lesen musste, als ich auf dem WC sass.
Weil der Rest des Vormittags ähnlich verläuft, ringe ich mich irgendwann dazu durch, den für heute geplanten Milchreis nicht selber zu kochen. Ich verabscheue Fertigprodukte. Aber es gibt Tage, an denen es nicht anders geht und so irre ich, nachdem ich den Zoowärter zu spät von der Spielgruppe abgeholt habe, mit den beiden Jüngsten im Coop herum und suche verzweifelt den Milchreis. Und weil ich mich a) im Coop nicht auskenne, weil ich, wie alle Welt weiss, Migroskundin bin, und b) keine Ahnung habe, wo man die Fertigprodukte findet, weil ich normalerweise keine kaufe, irre ich lange, sehr lange herum. Als mir bewusst wird, dass ich in der Zeit, die ich mit Suchen vergeudet habe, längst den Milchreis aufgesetzt, die Äpfel für das Kompott gerüstet und einen Kaffee getrunken hätte, ringe ich mich durch, eine Verkäuferin zu fragen. Und versinke dabei fast im Boden vor Scham: Frau Venditti, die an gewöhnlichen Tagen ihr Brot selber backt, hausgemachte Teigwaren auftischt, die Suppe prinzipiell nicht aus dem Päckchen kauft, verlangt Fertig-Milchreis! Kann ich noch tiefer sinken?
Ich kann. Nachdem ich möglichst unauffällig die drei Beutel in den Einkaufskorb gelegt habe, bringt mich der Zoowärter dazu, ihm vier bunte Badefischchen zu kaufen. Weil wir so dringend nach Hause müssen, habe ich einfach keine Zeit mehr, mir Gegenargumente zu überlegen, um den flehenden Blick in seinen Augen abzustellen. Und was ist der Dank dafür? Der Kleine lässt alle Welt wissen, dass seine Mama ihm einen Nemo gekauft habe! Wie oft habe ich dem Kind denn schon gesagt, die orange-weissen Fische heissen Anemonenfische? Im schlimmsten Fall dürfe er sie auch Clownfische nennen. Und er nennt sie Nemo. Als würde der den ganzen Tag vor der Glotze hocken und „Finding Nemo“ schauen.
Dabei hat er den Film gar nie gesehen. Als wir ihn nämlich vor zwei Jahren einmal ausgeliehen hatten, kamen Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat nach zwanzig Minuten heulend aus dem Wohnzimmer gerannt, weil sie „diesen brutalen Streifen“ nicht sehen wollten. Seither ist Nemo bei uns erst ab 16 Jahren freigegeben.

Veröffentlicht in Familie, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Erziehung, Essen, Familie, Kinder, Mutter, Stress | 5 Kommentare »
Verfasst von Tamar am 2. November 2009
Kaum ist die Elternabendsaison ohne nennenswerte Zwischenfälle wie vertauschte Daten, vergessene Unterschriften und fehlende Babysitter überstanden, geht es los. Die Tage werden kürzer, der Himmel wird grauer, der Wind weht kälter – und der Kalender füllt sich. Ballettproben für Luises ersten grossen Auftritt, Geigenproben für Karlssons fünften, sechsten und siebten grossen Auftritt, die grossen Auftritte, Karlssons Geburtstagsparty, Schwimmkurse, Einladungen bei Freunden, die man unbedingt noch in diesem Jahr einmal sehen will, Freunde, die man zu sich einlädt, weil man sie unbedingt noch in diesem Jahr einmal sehen will, Sitzungen, die unbedingt noch in diesem Jahr stattfinden müssen, Guetzli backen, Arzttermine, Geschenkekaufen und so weiter. Mal abgesehen von den Arztterminen und den Sitzungen lauter schöne Dinge, auf die man sich freut und die man unbedingt noch in diesem Jahr … Ach ich wiederhole mich?
Da seid ihr ja wieder, ihr Post-it-Tage! Eigenartig, ich habe euch gar nicht vermisst. Woran das liegen mag?

Veröffentlicht in Familie, Familienglück, Hausfrauenfrust | Verschlagwortet mit : Advent, Familie, Grossfamilie, Kinder | 2 Kommentare »